Objekt des Monats November 2026: Brigadebuch
Brigadebuch des Kollektivs „8. Mai Energetik“ des ehemaligen VEB Kaltwalzwerk Oranienburg
Aus der Industriegeschichte:
Im Jahr 1912 errichtete der Berliner Büro- und Schreibgerätehersteller „Heintze & Blanckerts“ in Oranienburg eine Zweigstelle mit eigenem Walzwerk. 1947 wurde der Betrieb zunächst als VEB Schreibfedernfabrik neu gegründet, Anfang der 1950er Jahre in den VEB Kaltwalzwerk Oranienburg umgewandelt. 1969 erfolgte die Eingliederung beider Stahlwerke in den DDR-Vorzeige-VEB Bandstahlkombinat „Hermann Matern“ in Eisenhüttenstadt. Der VEB Kaltwalzwerk Oranienburg war mit mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der größte Betrieb der Stadt Oranienburg. Im Zuge der Wiedervereinigung wurde das Kaltwalzwerk durch die Treuhand abgewickelt und 1990 durch die Friedrich Krupp AG übernommen. Allen Versprechungen zum Trotz, in den Standort zu investieren und wenigstens 600 Mitarbeitenden weiter zu beschäftigen, wurden Produktion und Beschäftigung in den folgenden Jahren konstant heruntergefahren. 1993 wurde der Standort geschlossen, die modernen Anlagen nach China verkauft, große Teile des Werks abgerissen.
Aus dem Bestand des ehemaligen VEB Kaltwalzwerk Oranienburg stammt das Brigadebuch des Kollektivs „8. Mai Energetik“. "Brigade" (oder auch Arbeitsbrigade) war die Bezeichnung für die kleinste Arbeitsgruppe in einem Betrieb, die eine Aufgabe im Produktionsprozess durchführte. Der Brigade kam im DDR-Alltag eine bedeutende Rolle zu, sie stiftete das Gefühl von Geborgenheit und Zusammengehörigkeit. Jede führte ein Brigadebuch, in dem alle Pläne, Aktivitäten und Ereignisse aufgeschrieben wurden. Neben dem Arbeitsalltag bot der VEB Kaltwalzwerk Oranienburg auch Raum für zahlreiche kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen. Dazu gehörten unter anderem eine Laienspielgruppe, eine Betriebssportgemeinschaft und eine Mandolinengruppe. Für das Wohl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgten zudem nicht nur ein betriebseigener Kindergarten, sondern ebenso ein Werksarzt.
Im Jahr 2023 übergab Horst-Hugo Schöler, ehemaliger Mitarbeiter des Kaltwalzwerks Oranienburg, seine Sammlung von Erinnerungsstücken an den ehemaligen Vorzeige-Betrieb der DDR dem ReMO. Die Sammlung, die 102 Positionen umfasst, enthält Schriftstücke, Urkunden, Pläne, Bücher, die Betriebschronik und mehr als 400 Fotos. Dank der großartigen Schenkung konnte das ReMO nicht nur seinen Sammlungsbestand erheblich erweitern, sondern auch zum Erhalt dieses regionalgeschichtlichen Themas beitragen.
Durch seine Beteiligung an der digitalen Ausstellung „Urban Autenticity“ des Museumsverbandes Brandenburg konnte das ReMO einen Teil der Objekte bereits für die Öffentlichkeit sichtbar machen. Schau doch gern vorbei:
themator.museum-digital.de
Brigadebuch
- Inventarnummer: V / 2644
- Datierung: um 1985
- Maße: Höhe 30,5 cm / Breite 22,0 cm
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